
Moscow, Texas – Reisebericht (1. Etappe)
Seit fünfzig Minuten das gleiche Bild: Männer, die in Gelbwesten und schweren Arbeitsschuhen zwischen den Maschinen herumstreifen. Nach einem gewissen Plan, der für mich nicht ersichtlich ist. Der Airbus neben uns wird aus seiner Position geschoben. Das weiße Kreuz auf Rot vermittelt völlig unerwartet Heimatgefühle. Die sind mir sonst suspekt, vor allem bei anderen. Erinnerungen an die gute, alte Zeit. Als die Fluglinie noch uns, nicht den Deutschen gehörte. Vielleicht darum die uneidgenössische Verspätung, da hätte ich gleich die Deutsche Bahn nehmen können. Das ist nicht mehr wie bei der Swissair. Kurz vor dem Grounding kaufte ich die Aktie. Damals tat der Verlust weh, heute kann ich über solche Beträge lachen. Am Ego kratzt es mehr als ein Vierteljahrhundert später immer noch. Durch das ovale Fenster erkenne ich Bewegung, aber nicht die geringste Entwicklung. Wir stehen weiter an Ort und Stelle. Die Erinnerung an Homo Faber. Um mich zu beschäftigen und zu vergessen, dass die Zeit für den Transfer in Frankfurt knapp wird, versuche ich, mir das Werk, das ich vor geschätzten über 40 Jahren gelesen habe, in Erinnerung zu rufen. Eine Super Constellation und die Reiseschreibmaschine sind nicht mehr als Erinnerungsfetzen, vielleicht Einbildung. Bei Frisch sieht der Protagonist dem Schneetreiben zu, immerhin ein paar Flocken, die sich bewegen. Hier nicht einmal ein Regentropfen, der auf der Plexiglasscheibe zerschellt, kurz liegenbleibt, sich durch die Vibration löst, in Bewegung setzt, mehr Fahrt aufnimmt, sich mit weiteren Tropfen verbindet, durch die gewonnene Masse schneller wird, sich seinen verwinkelten Weg bahnt, um unten auf dem Rand aufzuprallen und langsam zum See anzuschwellen, der übers Ufer tritt, um seine Fahrt auf der Kabinenhülle fortzusetzen.