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Unser kurzer Blog 16 Jahre zurück: September 2010
Ursprünglich kamen für den aktuellen Markenartikel verschiedene Themen und Ereignisse in Betracht. Im Laufe des Abwägens erinnerte ich mich urplötzlich an eine Unterhaltung vor einigen Monaten. Private Banker: Ich habe Ihren Beitrag über den America’s Cup gelesen. Ich: Und? Private Banker: Von den erwähnten Milliardären zählt keiner zu Ihren Kunden, oder? Ich: Wieso? Private Banker: Haben Sie denn überhaupt keine Angst, dass Sie bestehende und potenzielle Kunden verärgern? Ich: Nein. Meine Beiträge sind durchaus positiv als Vorschläge zur Verbesserung gemeint– und (trotzig): Wer sagt, dass ich für Leute, die das nicht begreifen, arbeiten möchte? Ehrlich gesagt, hatte ich mir die Überlegungen, die sich der Banker instinktiv oder aufgrund jahrelangen Trainings stellte, im Vorfeld einer Publikation noch nie gemacht. Der Gedanke meines Gegenübers war mir derart fremd, dass ich den beiden keine weitere Bedeutung schenkte. Dennoch ist irgendetwas irgendwo haften geblieben: Die Idee, einen Artikel über das grassierende Merchandising anlässlich eines Papstbesuches zu schreiben, verwarf ich, obwohl sie gar nicht von mir aufgebracht wurde. Denn mit meinen Zeilen hätte ich bestehende und potenzielle katholische Kunden vor den Kopf und abstossen können. Und was ist dabei, seinen Kaffee aus einer Tasse mit dem Konterfei des Heiligen Vaters zu trinken? Es folgte die Skizze eines Texts zu den intensiven Diskussionen rund um das VBS mit den hohen Beraterhonoraren – oder müsste man nicht gar von Horroraren sprechen, zum Rücktritt von Spitzenkadern und zur Nichtanschaffung neuer Kampfjets respektive der damit eng verknüpften, kolportierten Abschaffung der Armee. Auch dieses durchaus ergiebige Thema musste über die Klippe springen, denn die Kommunikationsaufträge von Bund, Kantonen und Gemeinden werden öffentlich ausgeschrieben. Und wer will sich diese Gelegenheit durch unpassende Meinungen im Vorfeld vermasseln? Der Beitrag über die neue Kampagne einer der beiden Schweizer Grossbanken gedieh ebenfalls nicht sehr weit. Dass die Kritik eines früheren Kaders «alle [Banken] machen das Gleiche, auch wenn es falsch ist», nicht nur für die Geschäftsmodelle, sondern auch für deren Kommunikation gilt, konnte nicht belegt werden. Es kam der Gedanke, etwas über den Schiedsrichter zu schreiben, der Fair Play nur als gesticktes Emblem auf seinem Trikot trägt. Die Einhaltung von Abmachungen im Rahmen einer nationalen Spendenaktion aber für vernachlässigbar hält, sobald ein Auftritt auf der grossen, internationalen Bühne winkt. Nur, auch ich halte mich nicht immer an die hehren, schön formulierten, hehren Prinzipien und So suche ich weiter nach dem Thema, mit dem ich keine Kunden und Potenzielle verärgere, sofern es so etwas überhaupt gibt.
Zum ersten Mal publiziert im September 2010 auf www.brandnewag.ch

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Moscow, Texas – Reisebericht (2. Etappe)
Wer die 1. Etappe verpasst hat, findet sie hier.
Bei mir deutet nichts darauf hin, dass die Reise, wohin auch immer, irgendwann fortgesetzt wird. Die Angst steigt, schon nach dem kurzen Prolog zu stranden, umdenken und alles neu organisieren zu müssen, ohne frische Unterwäsche und meine eigene Zahnbürste dazustehen. Bei Faber scheint es eher die Furcht, bei diesen meteorologischen Verhältnissen abzuheben, vielleicht würde er lieber am Boden bleiben, in ein Hotel in Manhattan zurückkehren und sich eine Nacht in New York um die Ohren schlagen.
Der flüchtige Blick auf die Uhr hilft nicht, beruhigt auch nicht. Laut Flugplan müssten wir jetzt in Frankfurt am Main landen, haben aber weder am Boden noch in der Luft einen einzigen Meter zurückgelegt. Neben mit sitzt keine und keiner, um die Frustration über die Verzögerung, die miese Kommunikation zu teilen. Somit auch kein Deutscher wie bei Frischs Faber. Die Abneigung gegen unsere nördlichen Nachbarn scheint sich über all die Jahrzehnte nicht groß verändert zu haben. Wenigstens etwas, um sich daran zu halten. Ich unterstelle, mein deutscher Sitznachbar hätte mir erklärt, dass das bei der Lufthansa nicht vorgekommen wäre und in Deutschland alles besser sei. Ich hätte mir, wie immer, aus eingeredeter Höflichkeit und tatsächlicher sprachlicher Unterlegenheit in einer Diskussion die Frage verkniffen, warum er dann nicht in sein, seiner Meinung nach in jeder Beziehung besseres, Heimatland zurückkehrte.
Ich bin also ebenso allein wie froh, mir die Schweiz nicht von einem Fremden erklären lassen zu müssen und überlege mir einen Deutschen, der nicht dieses Deutungsbedürfnis in sich trägt. Außer Ingo kommt mir auf die Schnelle niemand in den Sinn. Alfred, der glücklich mit einer Schweizerin, sogar einer Bündnerin verheiratet ist, fällt auch nicht in die Kategorie, hat sich nie mehr gemeldet. Ist wohl zu sehr mit sich und seinen mittlerweile erwachsenen Kindern respektive dem gesetzlich geregelten Unterhalt beschäftigt.
Regelmässig erscheint hiet eine neue Etappe des Reiseberichts – stay tuned!

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Gegenstrom – Gundula Bergs 1. Zufall (Episode 3)
(Wer die ersten Episoden verpasst oder vergessen hat, findet sie hier.)
Zuhause befreite sie das Pult von vergilbten Notizen, alten Zeitungen und anderem Unrat und legte ihren Computer frei. Nach einer Stunde schickte sie die dritte Bewerbung ab, fuhr das Gerät herunter.
Zwei Tage später folgte die Mail, mit Terminvorschlägen für ein online Bewerbungsgespräch. Ihre Haare gewaschen, alle Piercings im Gesicht entfernt, die Tätowierungen hinter dem Ohr mit Puder übertüncht, ein neutrales Bild im Hintergrund, sahen sie und die Umgebung gut aus. Offenbar so gut, dass Ende Woche der Arbeitsvertrag digital eintraf. Mit der netten Aufforderung, das Dokument digital zu signieren und an den Absender zurückzuschicken.
Am 1. Oktober hockte sie an ihrem neuen Arbeitsplatz und versuchte, den PC auf dem Pult aufzustarten. Erfolglos. Im ausgeräumten Trolley war bis auf ein zerkautes Bleistift und ein paar zu Hunden und Katzen verbogenen Büroklammern nichts zu finden. Auch keine Bedienungsanleitung.
Gundula griff zum Telefon. Wählte die 111 in der Annahme, dass die Zentrale ihren Anruf beantworten würde. Die Linie blieb auch beim x-ten Versuch tot. Sie nahm ihr Handy und versuchte es mit der im Internet unter ‚Kontakt‘ publizierten Zahlenkombination: dasselbe Ergebnis. Sie kontrollierte die Eingabe, wiederholte die zehn Zahlen. Irgendwann folgte die synthetische Frauenstimme vom Band mit der Nachricht von der kompletten Überlastung aller Linien.
‚Und was machen die bei einem Notfall,‘ legte die ehemalige Coiffeuse auf. Sie erhob sich langsam, strich sich ihren Rock zurecht und kehrte zum Empfang zurück.
Die Dame hinter ihrem massiven Pult entdeckte die neue Assistentin des Kommissars von weitem. Jetzt widmete sie sich dem Gespräch mit einer gleichaltrigen Besucherin noch intensiver.
Gundula versuchte es erfolglos mit Aufstrecken und wildem Herumfuchteln, probierte es irgendwann mit einem leisen «Entschuldigung».
«Ich habe Ihnen doch schon gesagt, dass Ihr Vorgesetzter noch in den Ferien ist», wiederholte die Dame, ohne ihren Blick von der anderen Besucherin zu nehmen. «Sie dürfen warten. Der Kommissar Schaffroth hat ganze zwei Wochen Zusatzurlaub. Wegen seines Dienstjubiläums. Welches, das erzähle ich Ihnen nicht. Das wird er Ihnen sicher verraten. Er ist stolz darauf. Nur so viel und unter uns: Ich arbeite länger hier als er.»
Der 1. Fall der Zufallsermittlerin ist geschrieben. Ob und wann er herauskommt, ist noch unklar.
Clandestino – Tagliabues 2. Fall
In seinem zweiten Fall kehrt Kommissar Salvatore Tagliabue in die Heimat seiner Eltern zurück. Ein Ertrunkener im nur knietiefen Brackwasser eines Reisfeldes in Norditalien wirft einige Fragen auf. Die Leiche des Immigranten wurde verstümmelt, um keine Rückschlüsse auf seine Identität zuzulassen. Bei den Ermittlungen stösst Tagliabue auf massive Widerstände seiner Vorgesetzten. Diese wollen keine knappen Ressourcen für die Aufklärung eines Mords an einem «Clandestino» verschwenden. Die Suche nach den Tätern führt Tagliabue in eine mafiöse Welt der Ausbeutung. In der billige Arbeitskräfte, jedoch nicht die Menschen, willkommen sind. Per Zufall triff er auf die Spuren seiner Eltern und entdeckt seine eigenen Ursprünge. Bei seinen Untersuchungen setzt der Kommissar auf die Unterstützung seiner aus der Schweiz angereisten Arbeitskollegen. Im Dienste der Wahrheit setzt er sich mit einem Pathologen und dem Assistenten über Befehle hinweg, bricht Gesetze und professionelle Richtlinien. Dass er einem Anschlag nur knapp entkommt, stachelt ihn noch weiter an, hinter das Geheimnis des Toten und dessen Todes zu kommen. Dabei führen ihn seine Ermittlungen an einen geheimnisvollen Wallfahrtsort im Piemont. Zwischen Kapellen, Kirchen und Grabsteinen kommt es zu einem fesselnden Showdown in schwindelerregender Höhe.
Tagliabues 2. Fall erscheint im Herbst 2027

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