
Moscow, Texas – Reisebericht (2. Etappe)
Wer die 1. Etappe verpasst hat, findet sie hier.
Bei mir deutet nichts darauf hin, dass die Reise, wohin auch immer, irgendwann fortgesetzt wird. Die Angst steigt, schon nach dem kurzen Prolog zu stranden, umdenken und alles neu organisieren zu müssen, ohne frische Unterwäsche und meine eigene Zahnbürste dazustehen. Bei Faber scheint es eher die Furcht, bei diesen meteorologischen Verhältnissen abzuheben, vielleicht würde er lieber am Boden bleiben, in ein Hotel in Manhattan zurückkehren und sich eine Nacht in New York um die Ohren schlagen.
Der flüchtige Blick auf die Uhr hilft nicht, beruhigt auch nicht. Laut Flugplan müssten wir jetzt in Frankfurt am Main landen, haben aber weder am Boden noch in der Luft einen einzigen Meter zurückgelegt. Neben mit sitzt keine und keiner, um die Frustration über die Verzögerung, die miese Kommunikation zu teilen. Somit auch kein Deutscher wie bei Frischs Faber. Die Abneigung gegen unsere nördlichen Nachbarn scheint sich über all die Jahrzehnte nicht groß verändert zu haben. Wenigstens etwas, um sich daran zu halten. Ich unterstelle, mein deutscher Sitznachbar hätte mir erklärt, dass das bei der Lufthansa nicht vorgekommen wäre und in Deutschland alles besser sei. Ich hätte mir, wie immer, aus eingeredeter Höflichkeit und tatsächlicher sprachlicher Unterlegenheit in einer Diskussion die Frage verkniffen, warum er dann nicht in sein, seiner Meinung nach in jeder Beziehung besseres, Heimatland zurückkehrte.
Ich bin also ebenso allein wie froh, mir die Schweiz nicht von einem Fremden erklären lassen zu müssen und überlege mir einen Deutschen, der nicht dieses Deutungsbedürfnis in sich trägt. Außer Ingo kommt mir auf die Schnelle niemand in den Sinn. Alfred, der glücklich mit einer Schweizerin, sogar einer Bündnerin verheiratet ist, fällt auch nicht in die Kategorie, hat sich nie mehr gemeldet. Ist wohl zu sehr mit sich und seinen mittlerweile erwachsenen Kindern respektive dem gesetzlich geregelten Unterhalt beschäftigt.
Regelmässig erscheint hiet eine neue Etappe des Reiseberichts – stay tuned!

Ein kurzer Blog zurück: Januar 2010
Wer redet da noch von Informationszeitalter? Tragen die Vielzahl an Kanälen, gepaart mit allen Möglichkeiten der modernen Technologie, nicht vielmehr zur Desinformation bei? Bestes Beispiel ist die Diskussion rund um H1N1. Unter www.google.ch sind unter dem Stichwort Schweinegrippe zurzeit 27,2 Millionen Treffer zu finden. Wer im Netz konkretere Antworten auf die Fragen rund um das Killer-Virus sucht, der wird kläglich scheitern. Ein kleines Potpourri: «In Berlin hat sich die Zahl der Todesfälle wegen Schweinegrippe verdoppelt – bislang waren erst zwei Todesfälle bekannt, eine 40-Jährige Frau und ein 84-Jähriger, die eine Reihe von Vorerkrankungen hatten. Ob die Infektion auch die Todesursache war, ist bisher unklar. | Meist jedoch nimmt der Virus einen milden Verlauf. Sollte er mutieren, sind weitaus mehr Todesopfer möglich. | Symptome sind die gleichen wie bei der normalen Grippe. | Das Internet kann vorinformieren, aber die Entscheidung sollte der Artzt [sic!] treffen. | Ansteckend kann die Krankheit am ersten Tag der Inkubationszeit sein. Beim Schwein beträgt die Inkubationszeit auch 1–4 Tage. | Jetzt ist ein Schwein an der Seuche erkrankt. | Hundehalter sind besorgt: Kann er sich durch Schweinefleisch in Hundefutter infizieren? | Die Zahl der Infektionen ist seit Mitte November gesunken. | Angesichts des Rückgangs sprach der Direktor des Robert Koch Instituts davon, dass möglicherweise ein Scheitelpunkt erreicht sei. Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, gab zu bedenken, dass es durchaus zu einer weiteren Welle kommen könne. | An der Massenimpfung gibt es weiterhin Kritik von Medizinern, da der Impfstoff Pandemrix mit erheblichen Risiken behaftet sei. | Österreichisch/irische Journalistin behauptet felsenfest, die Massenimpfung werde mit der Absicht durchgeführt, einen Genozid auszulösen. | Die Bundesgesundheitsministerin erklärte, sie habe sich von der pharmazeutischen Industrie unter Druck gesetzt gefühlt. | Während man in Deutschland die Todesfälle durch die Schweinegrippe zählt, zählt man in Schweden die Toten nach der Impfung. | Windhorst, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer, sagte, die Impfung gegen die normale Grippe sei wichtig. | Die Pandemiegefahr halten viele Experten für eine Inszenierung der Industrie – und das Virus sogar für nützlich. | Werden die «pathogeneren» Viren ausgerottet, diejenigen also, die mehr schwere Erkrankungen und Todesfälle verursachen? Das wäre ja eine gute Nachricht. | Trauer um Christoph Budde: an Schweinegrippe gestorben! Der Bundesliga-Profi spielte von 1985 bis 1989 bei Borussia Mönchengladbach. Borussia-Vize Rainer Bonhof: «Ein Hammer, das hat mich richtig umgehauen.» Damit bringt’s der Fussballweltmeister von 1974 als einer der wenigen sehr einprägsam, mit klaren Bildern und einem Schuss Emotionen auf den Punkt – ein Musterbeispiel für zielgerichtete Kommunikation.
Clandestino – Tagliabues 2. Fall
In seinem zweiten Fall kehrt Kommissar Salvatore Tagliabue in die Heimat seiner Eltern zurück. Ein Ertrunkener im nur knietiefen Brackwasser eines Reisfeldes in Norditalien wirft einige Fragen auf. Die Leiche des Immigranten wurde verstümmelt, um keine Rückschlüsse auf seine Identität zuzulassen. Bei den Ermittlungen stösst Tagliabue auf massive Widerstände seiner Vorgesetzten. Diese wollen keine knappen Ressourcen für die Aufklärung eines Mords an einem «Clandestino» verschwenden. Die Suche nach den Tätern führt Tagliabue in eine mafiöse Welt der Ausbeutung. In der billige Arbeitskräfte, jedoch nicht die Menschen, willkommen sind. Per Zufall triff er auf die Spuren seiner Eltern und entdeckt seine eigenen Ursprünge. Bei seinen Untersuchungen setzt der Kommissar auf die Unterstützung seiner aus der Schweiz angereisten Arbeitskollegen. Im Dienste der Wahrheit setzt er sich mit einem Pathologen und dem Assistenten über Befehle hinweg, bricht Gesetze und professionelle Richtlinien. Dass er einem Anschlag nur knapp entkommt, stachelt ihn noch weiter an, hinter das Geheimnis des Toten und dessen Todes zu kommen. Dabei führen ihn seine Ermittlungen an einen geheimnisvollen Wallfahrtsort im Piemont. Zwischen Kapellen, Kirchen und Grabsteinen kommt es zu einem fesselnden Showdown in schwindelerregender Höhe.
Tagliabues 2. Fall erscheint im Herbst 2027


Gegenstrom – Gundula Bergs 1. Zufall
Das war für Gundula zu schnell gegangen. Vor einer Woche noch hatte sie einer Stammkundin die schlohweißen Haare geschnitten. Der Schädel der Vierundneunzigjähren lag fast kahl vor ihr. Da war trotz aller Handwerkskunst nicht mehr viel auszurichten. Die ältere Dame freute sich auch mehr über die Besucherin als über ihre frische Frisur: Wieder mal jemand, der zuhören musste. Nicht wie die Angestellten des Pflegeheims, die sich stets um jene Gäste sorgten, denen es noch elender ging. Fräulein, darauf legte sie Wert, Zöllig erzählte Gundula von ihrem Aufenthalt als Haushaltshilfe in Plymouth. Dem Mann fürs Leben war sie auch jenseits des Ärmelkanals nie begegnet.
"An den freien Tagen traf ich mich mit den anderen Au-Pairs in der Stadt", begutachtete das Fräulein den aktuellen Stand der Arbeiten im Spiegel. "Wir gingen auch mal ins Kino oder tanzen. Obwohl mir diese britische Musik zu laut und zu wild war. Die Käfer kennen Sie wohl nicht mehr. Dazu sind Sie zu jung. Ich weiß nicht, wie man auf die komische Idee kam, die Krachmacher the fab four zu nennen. Und erst die Rollenden Steine!"
"Hm, da haben Sie recht". Gundula versuchte, das Büschel weiße Haare, das sich im Kamm verfangen hatte, unbemerkt zu Boden schweben zu lassen und die neue Lücke mit einer anderen seltenen Strähne zu überdecken.
"Wir gingen auch zwei Mal wöchentlich in eine gemeinsame Turnstunde", füllten sich die Augen der Seniorin mit ein paar Tränen. "Wieder in der Schweiz gründete ich mit ein paar meiner Freundinnen den Damenturnverein, um uns körperlich zu betätigen. Wir haben uns regelmäßig getroffen."
"Wirklich", versuchte Gundula, sich zu erinnern, ob sie sich für die Zumba-Lektion am Abend eingetragen hatte.
"Als letztes lebendes Mitglied löste ich den Verein auf. Das Vermögen überwies ich, wie in den Statuten vorgeschrieben, an ein Tierheim."
"Sehr nett».
"Fuck the system ist by the way totally falsch geschrieben", grinste die Alte und fixierte die Coiffeuse im Spiegel. Die zog den Ärmel hastig über den rechten Unterarm. Sie war immer noch wütend auf den Tätowierer, der es fertiggebracht hatte, zwei Fehler in den drei Wörtern unterzubringen. Und auf die Kollegin, die ihr den Nadelkünstler empfohlen hatte.
Der 1. Fall der Zufallsermittlerin ist geschrieben. Ob und wann er herauskommt, ist noch unklar.