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Ein kurzer Blog zurück in den Oktober 2011

Die Politik im Allgemeinen und die Staatsverschuldung im Speziellen scheinen für die Italienerinnen und Italiener kein Thema zu sein. In den Bars werden die aktuellen Fussballresultate diskutiert oder in der rosaroten Gazzetta dello Sport nachgeschlagen. Im Norden (wo befindet sich eigentlich die Demarkationslinie?) beklagt man und frau sich darüber, dass die im Süden nicht arbeiten und erst noch keine Steuern bezahlen – wer nicht erwerbstätig ist, muss auch in anderen Ländern keinen fiskalischen Pflichten nachkommen. Schuld an der kontinuierlichen Misere sind die Politiker, allen voran der Ministerpräsident. Auf die Frage, wer denn den Cavaliere warum zum x-ten Mal gewählt habe, heisst es, dass man keine Alternative und damit keine Wahl gehabt habe. Das tönt schon fast nach diktatorischem Einparteienstaat, nur dass die Stimmabgabe auch in Italien freiwillig ist. Vielleicht ist es wie in der Schweiz, wo gemäss einem aktuellen Artikel in der Sonntagspresse, die Abstinenzler die Wahlen entscheiden, da es den verschiedenen Parteien unterschiedlich gelingt, die Leute zu mobilisieren. Vor einigen Wochen wollte ich den Urnen ebenfalls noch fernbleiben und die Wahlen auf diese Weise mitentscheiden. Interessanterweise waren es aber nicht die Qualität und die Profile der Politikerinnen und Politiker, die mich umstimmten, sondern Freunde, Kollegen und die Medien. Ihr gutes Argument: Das aktive und passive Wahl- und Stimmrecht ist ein Privileg, das es durch Teilnahme zu verteidigen gilt. Also: Informieren. Während in Italien anscheinend keine Auswahl besteht, wollen bei uns rekordverdächtige 3500 Leute nach Bern, um ihre Wählerinnen und ihre Wähler zu vertreten. Dass nur Politiker aus dem Wohnkanton gewählt werden dürfen, reduziert den Kreis schon massiv – Rückschlüsse auf eine Erhöhung der Qualität lassen sich aufgrund dieser Selektion allerdings nicht machen. Dennoch: Die Masse an Kandidierenden ist unübersichtlich und die omnipräsenten Plakate, Karten und Inserate bieten hier auch keine richtige Hilfe. Alle vier Jahre wieder lachen uns zumeist unbekannte Gesichter entgegen und buhlen um unsere eine, wenn nicht sogar zwei Stimmen. Die Aussagen beschränken sich auf den Namen sowie die Partei, selten Aussagen zu Positionen und Lösungen – so müssen nachher keine Wahlversprechen gehalten werden. Diese Art von Propaganda macht die Wahl zur Qual: Hier ein Bürgerlicher mit einer Krawatte, die betonen soll, dass er nicht kleinkariert ist. Hier eine konservative mit Doppelname-Bindestrich als klares Statement zur Emanzipation. Da die Linken mit dem Slogan «Ja», obwohl gewählt und nicht abgestimmt wird. Warum gleichen diese Nationalrats- und Ständerats- den Miss-Schweiz-Wahlen, wo es nur auf Gesichter ankommt und Aussagen im Hintergrund stehen? Vielleicht weil sämtliche kritischen Geister zur Abstinenz animiert werden sollen, um die Wahlen zu entscheiden...

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Zum ersten Mal publiziert im Oktober 2011 auf www.brandnewag.ch

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Moscow, Texas – Reisebericht (2. Etappe)

Wer die 1. Etappe verpasst hat, findet sie hier.

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Bei mir deutet nichts darauf hin, dass die Reise, wohin auch immer, irgendwann fortgesetzt wird. Die Angst steigt, schon nach dem kurzen Prolog zu stranden, umdenken und alles neu organisieren zu müssen, ohne frische Unterwäsche und meine eigene Zahnbürste dazustehen. Bei Faber scheint es eher die Furcht, bei diesen meteorologischen Verhältnissen abzuheben, vielleicht würde er lieber am Boden bleiben, in ein Hotel in Manhattan zurückkehren und sich eine Nacht in New York um die Ohren schlagen.

Der flüchtige Blick auf die Uhr hilft nicht, beruhigt auch nicht. Laut Flugplan müssten wir jetzt in Frankfurt am Main landen, haben aber weder am Boden noch in der Luft einen einzigen Meter zurückgelegt. Neben mit sitzt keine und keiner, um die Frustration über die Verzögerung, die miese Kommunikation zu teilen. Somit auch kein Deutscher wie bei Frischs Faber. Die Abneigung gegen unsere nördlichen Nachbarn scheint sich über all die Jahrzehnte nicht groß verändert zu haben. Wenigstens etwas, um sich daran zu halten. Ich unterstelle, mein deutscher Sitznachbar hätte mir erklärt, dass das bei der Lufthansa nicht vorgekommen wäre und in Deutschland alles besser sei. Ich hätte mir, wie immer, aus eingeredeter Höflichkeit und tatsächlicher sprachlicher Unterlegenheit in einer Diskussion die Frage verkniffen, warum er dann nicht in sein, seiner Meinung nach in jeder Beziehung besseres, Heimatland zurückkehrte.

Ich bin also ebenso allein wie froh, mir die Schweiz nicht von einem Fremden erklären lassen zu müssen und überlege mir einen Deutschen, der nicht dieses Deutungsbedürfnis in sich trägt. Außer Ingo kommt mir auf die Schnelle niemand in den Sinn. Alfred, der glücklich mit einer Schweizerin, sogar einer Bündnerin verheiratet ist, fällt auch nicht in die Kategorie, hat sich nie mehr gemeldet. Ist wohl zu sehr mit sich und seinen mittlerweile erwachsenen Kindern respektive dem gesetzlich geregelten Unterhalt beschäftigt.

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Regelmässig erscheint hiet eine neue Etappe des Reiseberichts – stay tuned!​​

ChatGPT Image 15. Apr. 2026, 16_52_21.png

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Gegenstrom – Gundula Bergs 1. Zufall (Episode 3)

(Wer die ersten Episoden verpasst oder vergessen hat, findet sie hier.)

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Zuhause befreite sie das Pult von vergilbten Notizen, alten Zeitungen und anderem Unrat und legte ihren Computer frei. Nach einer Stunde schickte sie die dritte Bewerbung ab, fuhr das Gerät herunter.

Zwei Tage später folgte die Mail, mit Terminvorschlägen für ein online Bewerbungsgespräch. Ihre Haare gewaschen, alle Piercings im Gesicht entfernt, die Tätowierungen hinter dem Ohr mit Puder übertüncht, ein neutrales Bild im Hintergrund, sahen sie und die Umgebung gut aus. Offenbar so gut, dass Ende Woche der Arbeitsvertrag digital eintraf. Mit der netten Aufforderung, das Dokument digital zu signieren und an den Absender zurückzuschicken.

Am 1. Oktober hockte sie an ihrem neuen Arbeitsplatz und versuchte, den PC auf dem Pult aufzustarten. Erfolglos. Im ausgeräumten Trolley war bis auf ein zerkautes Bleistift und ein paar zu Hunden und Katzen verbogenen Büroklammern nichts zu finden. Auch keine Bedienungsanleitung.

Gundula griff zum Telefon. Wählte die 111 in der Annahme, dass die Zentrale ihren Anruf beantworten würde. Die Linie blieb auch beim x-ten Versuch tot. Sie nahm ihr Handy und versuchte es mit der im Internet unter ‚Kontakt‘ publizierten Zahlenkombination: dasselbe Ergebnis. Sie kontrollierte die Eingabe, wiederholte die zehn Zahlen. Irgendwann folgte die synthetische Frauenstimme vom Band mit der Nachricht von der kompletten Überlastung aller Linien.

‚Und was machen die bei einem Notfall,‘ legte die ehemalige Coiffeuse auf. Sie erhob sich langsam, strich sich ihren Rock zurecht und kehrte zum Empfang zurück.

Die Dame hinter ihrem massiven Pult entdeckte die neue Assistentin des Kommissars von weitem. Jetzt widmete sie sich dem Gespräch mit einer gleichaltrigen Besucherin noch intensiver.

Gundula versuchte es erfolglos mit Aufstrecken und wildem Herumfuchteln, probierte es irgendwann mit einem leisen «Entschuldigung».

«Ich habe Ihnen doch schon gesagt, dass Ihr Vorgesetzter noch in den Ferien ist», wiederholte die Dame, ohne ihren Blick von der anderen Besucherin zu nehmen. «Sie dürfen warten. Der Kommissar Schaffroth hat ganze zwei Wochen Zusatzurlaub. Wegen seines Dienstjubiläums. Welches, das erzähle ich Ihnen nicht. Das wird er Ihnen sicher verraten. Er ist stolz darauf. Nur so viel und unter uns: Ich arbeite länger hier als er.»

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Der 1. Fall der Zufallsermittlerin ist geschrieben. Ob und wann er herauskommt, ist noch unklar.

Clandestino – Tagliabues 2. Fall

In seinem zweiten Fall kehrt Kommissar Salvatore Tagliabue in die Heimat seiner Eltern zurück. Ein Ertrunkener im nur knietiefen Brackwasser eines Reisfeldes in Norditalien wirft einige Fragen auf. Die Leiche des Immigranten wurde verstümmelt, um keine Rückschlüsse auf seine Identität zuzulassen. Bei den Ermittlungen stösst Tagliabue auf massive Widerstände seiner Vorgesetzten. Diese wollen keine knappen Ressourcen für die Aufklärung eines Mords an einem «Clandestino» verschwenden. Die Suche nach den Tätern führt Tagliabue in eine mafiöse Welt der Ausbeutung. In der billige Arbeitskräfte, jedoch nicht die Menschen, willkommen sind. Per Zufall triff er auf die Spuren seiner Eltern und entdeckt seine eigenen Ursprünge. Bei seinen Untersuchungen setzt der Kommissar auf die Unterstützung seiner aus der Schweiz angereisten Arbeitskollegen. Im Dienste der Wahrheit setzt er sich mit einem Pathologen und dem Assistenten über Befehle hinweg, bricht Gesetze und professionelle Richtlinien. Dass er einem Anschlag nur knapp entkommt, stachelt ihn noch weiter an, hinter das Geheimnis des Toten und dessen Todes zu kommen. Dabei führen ihn seine Ermittlungen an einen geheimnisvollen Wallfahrtsort im Piemont. Zwischen Kapellen, Kirchen und Grabsteinen kommt es zu einem fesselnden Showdown in schwindelerregender Höhe.

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Tagliabues 2. Fall erscheint im Herbst 2027

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